Vorsorge bringt Sicherheit

Gynäkologin klärt über Dysplasie und HP-Viren auf

Vorsorge bringt Sicherheit

Frauen über 35 haben alle drei Jahre ein Recht auf einen Pap-Abstrich sowie einen Test auf Humane Papillomaviren (HPV) zur Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs. Sind die Ergebnisse auffällig, löst das bei Frauen oft große Ängste aus. „Dabei soll das Screening vor allem Eines: zusätzliche Sicherheit bringen. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet bei Weitem nicht automatisch, dass diese Frau Krebs hat oder bekommt“, sagt PD Dr. Susanne Schüler-Toprak, Oberärztin der Universitätsfrauenklinik am Caritas-Krankenhaus St. Josef und Leiterin der dortigen zertifizierten Gynäkologischen Dysplasie-Sprechstunde.

Gerade beim Thema HP-Viren herrsche große Unsicherheit. Viele Frauen wissen, dass diese zu Zellveränderungen am Gebärmutterhals führen können, und sich diese wiederum zu Krebs entwickeln könnten. „Doch nur, weil der Test auf HPV positiv ausfällt, bedeutet das nicht automatisch, dass die Frau an Krebs erkranken wird“, gibt Dr. Schüler-Toprak Entwarnung. „Etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen machen mindestens einmal im Leben eine HPV-Infektion durch. In den meisten Fällen kann das Immunsystem diese wieder abwehren. Letztlich soll der HPV-Test zusätzliche Sicherheit für Frauen bringen. Dies gelingt dadurch, dass durch frühere Abklärungen bereits leichte Zellveränderungen am Gebärmutterhals festgestellt werden können.“

Die aktuelle Krebsfrüherkennungs-Richtlinie sieht bereits bei sehr geringen Auffälligkeiten im Krebsvorsorgeabstrich eine Abklärung in einer Dysplasie-Sprechstunde, wie sie auch PD Dr. Schüler-Toprak leitet, vor. „Eine Abklärung ist wichtig, denn es kann sich dabei um Krebsvorstufen handeln. Doch die gute Nachricht ist: Leichte Krebsvorstufen am Gebärmutterhals haben eine große Wahrscheinlichkeit sich zurückzubilden und müssen in der Regel lediglich beobachtet werden. Durch das frühe Erkennen kann beizeiten das weitere Vorgehen gemeinsam mit der Frau besprochen werden. Sollte es sich tatsächlich um behandlungsbedürftige Vorstadien handeln, stehen hierfür heute sehr schonende Verfahren zur Verfügung.“

Dies sei vielen Frauen nicht bewusst und sie habe es immer wieder mit Patientinnen zu tun, die hochgradig verunsichert in die Dysplasie-Sprechstunde kommen, weil sie fest davon ausgehen, sie hätten Krebs oder würden sicher in Zukunft daran erkranken. „Mir ist es wichtig, dass Frauen die Vorsorgeuntersuchungen ernst nehmen. Gleichzeitig möchte ich verhindern, dass sie sich unnötig Sorgen machen.“

Auch vor der Untersuchung im Rahmen der Dysplasie-Sprechstunde müsse niemand Angst haben, macht Dr. Schüler-Toprak deutlich. Die sogenannte Kolposkopie laufe im Prinzip ähnlich ab wie eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung bei der niedergelassenen Gynäkologin, bzw. beim niedergelassenen Gynäkologen. Dabei werden Vagina und Gebärmutterhals mit Hilfe eines speziellen Vergrößerungsglases, eines Kolposkops, untersucht. Damit lassen sich selbst sehr kleine Zellveränderungen am Gebärmutterhals entdecken. Zusätzlich dazu entnimmt die Ärztin oder der Arzt mit einer kleinen Zange ein Stück Gewebe aus dem veränderten Bereich, das anschließend pathologisch untersucht wird. Die Entnahme tut nicht weh, da sich am Gebärmutterhals kaum Nerven befinden, die Schmerzen wahrnehmen könnten. „Nach etwa 10 Tagen ist der Befund da. Sollten wir feststellen, dass es sich um Vorstufen handelt, die nicht nur beobachtet, sondern tatsächlich entfernt werden sollten, können diese durch einen sehr kleinen Eingriff entfernt werden.“ Und genau dafür sei Vorsorge da: „Gefahren frühzeitig zu erkennen, Sicherheit zu bringen und Krebs keine Chance zu geben.“ 


Das Screeningprogramm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Seit im Jahr 2020 das neue organisierte Screeningprogramm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in Kraft getreten ist, haben Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren Anspruch eine zytologische Untersuchung mittels Pap-Abstrich (einschließlich einer klinischen gynäkologischen Untersuchung).

Frauen ab dem Alter von 35 Jahren wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung bestehend aus einem HPV-Test und einer zytologischen Untersuchung (einschließlich einer klinischen Untersuchung) angeboten.