Starke Periodenschmerzen sind nicht immer normal

Expertin des Caritas-Krankenhauses St. Josef spricht über Endometriose

Starke Periodenschmerzen sind nicht immer normal

„Stell Dich nicht so an. Periodenschmerzen sind normal. Versuch´s doch mal mit einer Wärmflasche.“ Bis Frauen die Diagnose Endometriose erhalten, vergehen durchschnittlich sechs bis zehn Jahre. Jahre, in denen sie nicht nur unter starken Schmerzen, sondern auch am Unverständnis ihrer Mitmenschen leiden. Wir sprechen mit Dr. Madeleine Hetterich, Oberärztin an der Klinik für Frauenheilkunde und Gynäkologie am Caritas-Krankenhaus St. Josef, über das Thema.

Frau Dr. Hetterich: Was ist Endometriose?

Es handelt sich dabei um eine chronische Erkrankung, unter der besonders Frauen im gebärfähigen Alter leiden. Dabei setzt sich Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter fest.

Besonders häufig findet man diese sogenannten Endometrioseherde im Bereich des Beckens, an den Eierstöcken oder der Gebärmutterwand. Doch auch Darm, Scheide, Harnleiter sowie weiter entfernte Organe können in schlimmeren Fällen betroffen sein. Endometriose ist ein Chamäleon, das macht sie so tückisch.

Warum dauert es so lange bis die Erkrankung erkannt wird?

Zum einen ist es für viele immer noch ein Tabu, über Beschwerden im Unterleib zu sprechen. Zum anderen kennen viele die Erkrankung noch immer nicht, obwohl jedes Jahr rund 40.000 Frauen neu betroffen sind.

Hinzu kommt, dass betroffenen Frauen häufig suggeriert wird, Periodenschmerzen- egal in welchem Ausmaß- seien normal. Aber das sind sie nicht. Jede Frau, die so starke Schmerzen hat, dass sie große Mengen Schmerzmittel braucht und ihren Alltag nicht mehr oder kaum mehr bewältigen kann und das vor allem zyklusabhängig auftritt, sollte ihren Frauenarzt auf das Thema ansprechen.

Gibt es klassische Symptome bei Endometriose?

Tatsächlich sind heftige, wiederkehrende Unterbauchschmerzen, die vor allen an den Tagen vor oder während der Periode auftreten, ein sehr klassisches Symptom. Doch auch lange andauernde Blutungen, Bauch- und Rückenschmerzen, die in die Beine ausstrahlen, oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können von der Erkrankung verursacht sein. Gleiches gilt für Probleme beim Wasserlassen, Blut im Urin oder unerfüllten Kinderwunsch.

Können Frauen mit der Erkrankung überhaupt schwanger werden?

Endometriose kann den Kinderwunsch zwar erschweren, aber macht ihn nicht unmöglich. Auch Patientinnen mit Endometriose können spontan schwanger werden. Klappt es auch über einen längeren Zeitraum nicht, beraten wir die Frauen entsprechend und stellen den Kontakt zu einem Kinderwunschzentrum her.

Wie wird Endometriose festgestellt?

Steht der Verdacht einer Endometriose im Raum, wird der niedergelassene Gynäkologe zuerst ein ausführliches Gespräch mit der Patientin führen, sich nach den Beschwerden, der Krankheitsgeschichte und der familiären Vorgeschichte erkunden. Danach tastet er Scheide, Bauchdecke und Enddarm ab. Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung können manchmal größere Endometrioseherde entdeckt werden. Letztendliche Sicherheit bringt aber nur eine Bauchspiegelung. Sie ist der Goldstandard der Diagnostik.

Welche Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung?

Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination aus Operation und medikamentöser Therapie. Bereits bei der Diagnosestellung können bei der Bauchspiegelung Endometrioseherde operativ entfernt werden. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. In einigen Fällen können diese Operationen auch aufwendig sein. Dieses hängt von der Lokalisation der Endometriose ab. So sind Entfernungen von Endometrioseherden im Bereich des Bauchfells meistens einfach. Sollte beispielsweise der Darm oder andere Organe befallen sein, können die Operationen komplizierter sein.

Im Caritas-Krankenhaus St. Josef sind wir spezialisiert auf Patientinnen, die sehr viele Endometrioseherde oder starke Verwachsungen haben, die erneut operiert werden müssen oder bei denen auch Darm oder Blase angegriffen sind. Denn wir arbeiten eng mit unseren die Kolleginnen und Kollegen der Urologie oder Chirurgie zusammen. Das ist der Vorteil der Behandlung in unserer Klinik.

Die operative Entfernung der Endometrioseherde ist nicht immer ausreichend. Es werden daher zusätzlich oder auch ausschließlich Medikamente eingesetzt. Die Palette ist groß. Sie reicht von Schmerzmitteln über naturheilkundliche Präparate bis zu gut etablierten und auch effektiven Hormontherapien. Diese unterschiedlichen Behandlungen können auch nach dem Wunsch der betroffenen Patientin eingesetzt werden und richten sich auch nach dem Schweregrad der Erkrankung.

Zum Schluss noch eine Frage: können die Frauen etwas zur Vorbeugung tun?

Da derzeit noch unklar ist, was Endometriose auslöst, können Frauen nicht vorbeugen. Ich kann Betroffenen daher nur raten, bei Symptomen frühzeitig zum Gynäkologen zu gehen und so die Diagnose absichern zu lassen, um die Chancen zu erhöhen, die Beschwerden in den Griff zu kriegen.

Vielen Dank für das Gespräch!