Onkologische Pflegesprechstunde für Tumorpatienten

Interview mit Thomas Keppel, Fachkrankenpfleger für Onkologie

Auch nach dem Klinikaufenthalt ist das Team der onkologischen Pflege für die Patientinnen und Patienten da - vor Ort, aber auch telefonisch.
Auch nach dem Klinikaufenthalt ist das Team der onkologischen Pflege für die Patientinnen und Patienten da - vor Ort, aber auch telefonisch.

Nach einer schweren Krebserkrankung und der Therapie in der Klinik sind viele Tumorpatienten erst einmal froh, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein. Doch während die Betroffenen im Krankenhaus rundum betreut werden, sind sie zu Hause von den Strukturen vor Ort abhängig. Anders am Caritas-Krankenhaus St. Josef: hier stehen onkologische Pflegekräfte auch nach dem Klinikaufenthalt mit Rat und Tat zur Seite. Dieses Konzept der Onkologischen Pflegeambulanz wurde 2017 mit dem Bayerischen Krebspatienten-Preis ausgezeichnet.

Herr Keppel, Sie sind Leiter der Onkologische Pflegeambulanz, was genau ist das?

Im Rahmen der onkologischen Pflegeambulanz begleiten wir Tumorpatienten von ihrer Tumor-OP bis zur Nachsorge. Nicht nur sie, auch ihre Angehörigen, können sich bei Bedarf immer an uns wenden. All unsere Leistungen können unkompliziert, kostenlos und auch telefonisch in Anspruch genommen werden. Unabhängig davon melden wir uns etwa sechs Wochen nach einer chirurgischen oder urologischen Tumoroperation telefonisch bei den Patientinnen und Patienten und erkundigen uns, wie es ihnen nach der Operation geht und besprechen aufgetretene Fragen mit ihnen.

 

Mit welchen Problemen oder Fragestellungen kommen Patienten auf Sie zu?

Tumorpatienten leiden zum Teil an vielen unterschiedlichen Symptomen der Grunderkrankung sowie zusätzlich an den Nebenwirkungen der Therapien. Dazu gehören nicht nur vorübergehende Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Haarausfall. Je nach Schwere der Erkrankung und Größe des Eingriffs können auch dauerhafte Beeinträchtigungen wie z.B. Inkontinenz, Impotenz, Mangelernährung, Fatigue oder Körperbildstörungen auftreten. Da viele unserer Patientinnen und Patienten einen künstlichen Darm – oder Urinausgang aufgrund ihrer Tumorerkrankung bekommen, geht es eben auch darum die Scheu der Versorgung dessen abzubauen und sie auf ihren künstlichen Ausgang zu sensibilisieren. Dadurch, dass wir bereits nach der Operation in der Klinik ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Patientinnen und Patienten aufbauen, wenden sie sich trotz ihrer Scham, die damit auch verbunden ist, oft an uns.

Wie genau helfen Sie hier?

Wir führen Inkontinenzberatungen durch und leiten individuell die Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen in der Versorgung eines künstlichen Ausganges an. Es geht vor allem darum, wie man trotz gewisser Einschränkung seinen Alltag daheim gut meistern kann. Hinzu kommt auch die Beratung bei Mangelernährung, Inkontinenz, Impotenz oder anderer Nebenwirkungen einer Tumortherapie.

Zudem kommt uns eine Lotsenfunktion zu: Wir sind gut im Haus vernetzt und vermitteln – je nach Bedarf – die Unterstützung durch Psychoonkologen, Stoma-Therapeuten oder den Sozialdienst.

Wir bieten aber beispielsweise auch Unterstützung beim Hand-Fuß-Syndrom an. Charakteristisch für das Hand-Fuß-Syndrom sind vor allem Missempfindungen an den Fingerspitzen und Zehen, die Patientinnen und Patienten während einer Chemotherapie entwickeln können. Hier geben wir unter anderem Empfehlungen ab, welche Öle Linderung verschaffen können. Wir klären darüber auf, dass viele Patientinnen und Patienten während einer Chemotherapie an unterschiedlichen Nebenwirkungen leiden und geben immer den Rat, dies auch mit den behandelnden Ärzten zu besprechen.

Wir stehen eng mit Patientinnen und Patienten in Kontakt, die an Fatigue leiden. Dies ist ein chronischer Erschöpfungszustand von unterschiedlicher Intensität, der auch unter Einhaltung von Ruhephasen nur schwer durchbrochen werden kann. Hier beraten wir vor allem zur Lebensführung und zur Strukturierung des Alltags, setzten gemeinsam Ziele und evaluieren diese.

Ganz allgemein gesprochen: Unserem Team ist es meist möglich, die Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen mit ihren Problemen, Sorgen und Ängsten professionell aufzufangen. Wir haben immer ein offenes Ohr und versuchen ihnen den Alltag daheim zu erleichtern, wenn sie nicht mehr in der Klinik sind.

Wie kommt das Angebot bei den Patienten an?

Die Patientinnen und Patienten sind sehr dankbar für das Angebot, zumal es in der Form ziemlich einzigartig ist. Es ist ein zusätzlicher Service, den wir hier bieten. Wir sind täglich Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr für sie und ihre Angehörigen erreichbar. Wir sind ein kleines Team mit Frau Weindler, Herrn Saffert und mir, sodass die Patientinnen und Patienten uns bereits von ihrem stationären Aufenthalt in der Klinik kennen. Somit müssen sie sich nicht auf viele unterschiedliche Ansprechpersonen einstellen. Wir sind ihr kontinuierlicher pflegerischer Kontakt, lernen die Patientinnen und Patienten nach ihrer OP bei uns im Haus kennen und begleiten sie, je nach Bedarf, während ihrer Tumortherapie bis hin zur Nachsorge. Ein Vorteil ist es, dass dieses Angebot sehr niederschwellig ist und die Beratungen jederzeit telefonisch, stationär oder ambulant in der Klinik in Anspruch genommen werden können.

Braucht es für die onkologische Pflege eine spezielle Ausbildung?

Ja, die braucht es. Zur grundständigen pflegerischen Ausbildung muss eine zweijährige pflegerisch-onkologische Fachweiterbildung absolviert werden. Dort steht neben der speziellen onkologischen Pflege die Medizin und Psychologie im Fokus.

Jeder von uns hat noch unterschiedliche Fachweiterbildungen wie Palliative care, Pain Nurse, Praxisanleiter oder Psychoonkologie (DKG).

Vielen Dank Herr Keppel für das Interview!