Früherkennung verbessert Heilungschancen bei Brustkrebs

Experte rät: Vorsorgeangebote nutzen

PD Dr. Stephan Seitz im Gespräch
PD Dr. Stephan Seitz im Gespräch

Jedes Jahr erkranken 75.000 Frauen neu an Brustkrebs. Doch die gute Nachricht ist: die Heilungschancen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vor allem dann, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Vorsorge spielt daher eine wichtige Rolle. Wir haben mit PD Dr. Stephan Seitz, dem stellvertretenden Direktor der Klinik für Frauenheilkunde am Caritas-Krankenhaus St. Josef, über das Thema gesprochen.

Herr Dr. Seitz, warum ist es so wichtig, dass Brustkrebs früh erkannt wird?

Glücklicherweise sinkt die Zahl der Frauen, die an Brustkrebs sterben, seit Jahren. Das hat sehr viel damit zu tun, dass sich die Früherkennung deutlich verbessert hat. Dadurch kann Krebs zwar immer noch nicht verhindert, aber sehr viel früher erkannt werden. Und das senkt nicht nur die Sterblichkeitsrate, sondern wir können den Patientinnen auch schonendere Behandlungsmöglichkeiten anbieten, die die Lebensqualität weniger einschränken. 

Ich kann den Frauen also nur raten, die von den Kassen angebotenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und sich regelmäßig selbst abzutasten.

Welche Früherkennungsuntersuchungen zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Das hängt vom Alter ab. Frauen ab 30 haben jährlich Anspruch auf eine Tastuntersuchung beim niedergelassenen Gynäkologen. Der tastet die Brüste und die Lymphknoten im umliegenden Bereich bis zu den Achselhöhlen ab. Er erklärt den Frauen auch, wie sie die Brust selbst abtasten und auf Veränderungen achten können. Zeitlich eignet sich ein Termin zum Ende der Regelblutung besonders, da das Brustgewebe dann weniger dicht ist und bestmöglich beurteilt werden kann.

Zwischen 50 und 69 Jahren erhalten Frauen alle zwei Jahre eine persönliche Einladung zur Mammographie. Sie ist derzeit der Goldstandard zur Früherkennung von Brustkrebs.

Warum handelt es sich dabei um den Goldstandard und warum erhalten dann nicht alle Frauen eine Einladung zur Mammographie?

Mit diesen Röntgenaufnahmen der Brust lassen sich bereits kleinste Tumore erkennen und es ist die bisher am umfangreichsten untersuchte Methode, deshalb „Goldstandard“. Die „Reihenuntersuchung“, auch Mammografie-Screening genannt, zu dem gesunde Frauen eingeladen werden, ist besonders gut in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren untersucht, so dass diese Altersgruppe ausgewählt wurde. Sollten allerdings Auffälligkeiten bestehen z.B. ein Tastbefund, Schmerzen oder eine auffällige Familienanamnese sollte eine individuelle Beratung und eventuell auch die Früherkennung beim Frauenarzt angepasst werden. Sollte sich eine auffällige Familienanamnese bestätigen, ist eine humangenetische Beratung sinnhaft. Diese kann zum Beispiel hier vor Ort im Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs Regensburg erfolgen. Im Rahmen einer solchen Beratung kann, falls angebracht, ein intensiviertes Früherkennungsprogramm angeboten werden.

Welche Alternativen gibt es zur Mammographie, wenn das Brustgewebe besonders dicht ist?

Bei Patientinnen mit einem besonders dichten Brustgewebe oder mit einem deutlich erhöhten Risiko bietet sich zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Brust an. Eine MRT-Untersuchung der Brust bleibt besonderen Risikokonstellationen vorbehalten.

Herr Dr. Seitz, Sie behandeln in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auch sehr viele Risikopatientinnen und nutzen dabei eine spezielle Technologie. Worum handelt es sich dabei?

Wir nutzten das sogenannte ABUS-System. Es handelt sich dabei um ein Ultraschallgerät, das speziell dafür entwickelt wurde, Tumore in dichtem Brustgewebe zu entdecken, die bei einer Mammographie eventuell übersehen werden könnten. Eine Ultraschallsonde, die auf der Brust platziert wird, erfasst dabei innerhalb von 15 Minuten die komplette Brust und liefert uns in Kombination mit einer Mammographie einen guten Überblick über den Zustand des Brustgewebes – auch wenn es dicht ist.

Viele Frauen verdrängen oder verschieben Vorsorgetermine aus Angst, es könnte etwas entdeckt werden…

Leider hören wir das immer wieder. Doch dabei sollten Frauen immer zwei Dinge im Hinterkopf behalten: zum einen – was ich eingangs schon gesagt habe – je früher ein Tumor entdeckt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Zum anderen ist nicht jede Veränderung, die bei der Selbstuntersuchung oder auch bei der Mammographie entdeckt wird bösartig. Auch das muss man sich immer wieder vor Augen führen.

Wann sollte ich – unabhängig von den regelmäßigen Vorsorgeterminen – zum Arzt?

Frauen sollten nicht bis zum nächsten turnusmäßigen Früherkennungstermin warten, wenn sie Verhärtungen an der Brust oder in den Achselhöhlen bemerken. Auch wenn sich die Größe, Form oder Farbe der Brust verändert oder sich die Brustwarze einzieht, rötet oder blutige Flüssigkeit absondert, sollte ein Termin beim niedergelassen Gynäkologen vereinbart werden.