Ein Ort christlicher Caritas

Interview mit Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann

Foto: Fuchs / Agentur burcom
Foto: Fuchs / Agentur burcom

Wie viele katholische Krankenhäuser in Deutschland gibt es? Was unterscheidet ein katholisches Krankenhaus von anderen Kliniken und muss man katholisch sein, um am Caritas-Krankenhaus St. Josef zu arbeiten? Über diese und weitere Themen haben wir mit Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann gesprochen.

Herr Direktor, das Josefskrankenhaus ist ein Haus der Caritas, Träger ist der Diözesancaritasverband. Wie ungewöhnlich ist so eine Konstellation?

In Deutschland gibt es zahlreiche Kliniken in katholischer Trägerschaft, der Katholische Krankenhausverband vertritt etwa 350 Häuser. Ein katholisches Krankenhaus ist immer ein Ort christlicher Caritas. Es steht aber auch der organisierten Caritas gut an, auf diesem Gebiet für Menschen da zu sein, hoch professionell Medizin anzubieten, Pflege anzubieten und gleichzeitig diesen christlichen Geist mit hineinzubringen. Dass ein Caritas-Verband selber Träger ist, ist tatsächlich eher die Ausnahme. Zwar gibt es in Deutschland Caritasverbände, die Krankenhäuser betreiben, allerdings nicht in Bayern, da sind wir tatsächlich die einzigen

Wie macht sich dieser christliche Geist bei uns bemerkbar?

Das beginnt schon, wenn man das Haus betritt. Man sieht den Heiligen Josef, sieht Bilder des Bischofs, des Papstes – man sieht sofort, wo man ist. Wir haben eine sehr gute Krankenhaus-Seelsorge, die immer da ist, die ansprechbar ist für die Patienten, die Angehörigen und für alle, die sie in Anspruch nehmen möchten. Wir feiern alle kirchlichen Feste, z.B. den Namenspatron wie dieser Tage bei der nachgeholten Josefifeier. Einmal im Jahr besuchen wir als Vorstand und ein paar Mal schon in Begleitung des Herrn Bischof am Tag vor Hl. Abend alle Patienten. Man kommt ins Gespräch, tauscht Gedanken aus und Weihnachtsgrüße. Das sind auch Symbole, die bei den Patienten ankommen.

In jedem Krankenzimmer hängt ein Kreuz ...

So ist es. Aber nicht nur dort. Ich denke da auch an die neue Notaufnahme – da hängt in jeder Box das Kreuz. Da landen Menschen in absoluten Stress-Situationen und mit hoch akuten Diagnosen. Mir wurde schon ein paar Mal gesagt, dass es auch als tröstend empfunden wurde, wenn man das Kreuz in den Blick nehmen kann – voller Hoffnung und Vertrauen, dass es da einen gibt, „der auf mich schaut“.

Welche Rolle spielt es, ob ein Patient ein gläubiger Mensch ist?

Für die Behandlung spielt es zunächst natürlich überhaupt keine Rolle. Wer hierherkommt, wird die bestmögliche Hilfe durch professionelle Teams bekommen, das steht außer Frage. Man darf aber nie vergessen: ein Krankenhaus ist auch ein Ort, wo Menschen immer wieder auf absolute Grenzsituationen treffen, bis hin zu den Grenzen des Lebens. Da stellen sich auch für Patienten und Angehörige nochmal viele Fragen neu. Hier können wir auf dem Fundament des Glaubens in anderer Form da sein. Caritas bedeutet Liebe und Zuwendung, auch in der Begleitung Sterbender. Unser palliativmedizinischer Dienst leistet hier hervorragende Arbeit.

Im Übrigen: es waren über viele Jahrhunderte gerade die Ordensleute, die die Pflege auch ausgeübt haben, die mit den Hospizen im wahrsten Sinne des Wortes „Gast“-Häuser aufgebaut haben, für Pestkranke, für Kranke der großen Seuchen des Mittelalters, das war immer in christlichen Händen gelegen – und eigentlich bis hinein noch in unserer Lebenszeit.

Kompetenz und Menschlichkeit stehen im Programm von St. Josef. Kompetenzen kann man erwerben. Wie kommt die Menschlichkeit ins Spiel? Das wird ja nicht gelehrt …

… Nein, das muss gelebt werden und das wird hier gelebt und auch an die weitergegeben, die neu anfangen. Man spürt da sehr schnell, in welchem Raum man sich bewegt. Das sagen mir auch Rückmeldungen, die ich von Patienten unseres Hauses bekomme. Und ich erlebe selber, wie man hier untergebracht ist, wie hier gearbeitet wird, welcher Spirit hier gelebt wird – und da sind wir in St. Josef sehr gut aufgestellt.  

Kompetenz – natürlich, das ist unabdingbar, darauf legen wir größten Wert. Sowohl in der Medizin wie in der Pflege. Wir sind Standort von zwei Lehrstühlen der Universität Regensburg und drei Hochschulambulanzen, wir haben hervorragende Fachkliniken und eine der modernsten Notaufnahmen im Land. Am Pflegecampus wird mit neuesten Methoden gelehrt, natürlich auch mit den neuen Berufen der generalistischen Ausbildung. Wir wollen junge Menschen bestens ausbilden und wir wollen, dass sie bleiben. Ich habe schon öfter gehört, Ich geh gern nach Josef, ich fühl mich eingebunden in die Dienstgemeinschaft. Der Begriff sagt was aus! Dem zugrunde liegt wieder die Menschlichkeit und der gute Umgang miteinander.

Das ist alles in allem gelebte Caritas.